AG KS

01. August 2016

Die Arbeit der AG Kostenschätzung

Im Carbon Composites e.V. (CCeV) wird der gesamte Lebenszyklus von Faserverbundwerkstoffen betrachtet. So beschäftigt sich zum Beispiel die Arbeitsgruppe (AG) „Kostenschätzung“ mit der Top-down-Kostenevaluation. Denn eine Bewertung der Kosten erleichtert in der Praxis die Entscheidung für den Werkstoff Carbon.

Unter Leitung von Dr. Arne Ostermann arbeitet die Arbeitsgruppe „Kostenschätzung“ im Netzwerk Carbon Composites seit März 2012 an einer Top-Down-Kostenevaluation in der CFK-Fertigung. Ein möglichst umfassendes Planungstool wäre hilfreich, um zum Beispiel in Angebotsgesprächen Kosten auch für neue Bauteile schnell abschätzen zu können. Arbeitsgrundlage der AG ist das bereits vorhandene Wissen und Bottom-up-Kostenevaluationen der AG-Mitglieder. Die AG vergleicht die zur Verfügung gestellten Daten und leitet daraus möglichst allgemeingültige Parameter ab. Es liegt auf der Hand, dass diese Aufgabe umso besser gelingt, je mehr Mitglieder entsprechende Daten einbringen.

Auf dem Weg zum Planungstool hat die AG fünf Etappenziele definiert:

  1. Anforderungen an die Kostenevaluation

Zunächst sollen lediglich die Kosten in den Bereichen Arbeitsvorbereitung und Fertigung betrachtet werden (Phase 1a im Phasenmodell). Erst später sollen weitere Bereiche einbezogen werden. 

Schon in der ersten AG-Sitzung wurden die Anforderungen an eine verbesserte Kostenevaluation definiert, wobei ergänzende Anforderungen weiterhin aufgenommen werden. Kostentreiber und Einflussfaktoren bei unterschiedlichen Produktionsprozessen und -volumina werden identifiziert, um einen Top-Down-Ansatz zu schaffen. Ein Software-Tool soll eine flexible und vergleichbare Kostenevaluation ermöglichen.

      2. Einheitliche Kostenstruktur

Ziel ist eine einheitliche Struktur, die auf festgelegten Kosten-Parametern aufsetzt und damit Vergleiche möglich macht. Dabei soll es zunächst um Prozesse mit Carbon-Endlosfasern gehen und erst einmal Recurring Costs (inkl. Anpassungszertifizierungskosten), jedoch keine Gemeinkosten, betrachtet werden. „Dieser Ansatz und die erst später erfolgende Berücksichtigung der Einmalkosten soll den pragmatischen und mehrwertorientierten Ansatz der Arbeitsgruppe unterstützen“, erklärt Dr. Ostermann.

  1. Fertigungsprozesse der Mitglieder

Einige Mitglieder haben bereits relevante Produktionsprozesse aus ihrem Arbeitsalltag präsentiert. Allerdings sind die prozessspezifischen Einflussfaktoren und Kostentreiber bei Weitem noch nicht vollständig erfasst und somit auch (noch) nicht vergleichbar. „Wir freuen uns natürlich, wenn weitere Mitglieder sich hier einbringen“, so Ostermann, „denn das macht die Kostenschätzung umso belastbarer.“ Robuste und inhaltlich relevante Darstellungen – auch aus den Bereichen Konstruktion oder Wartung – sind nach wie vor gefragt, so der AG-Leiter.

  1. Prozesse und Prozesskosten an einem Testbauteil darlegen

Als Testbauteil wurde die Frontklappe des Roding Roadster des CCeV-Mitgliedes Roding Automobile GmbH ausgewählt. Für die vollständige Bauteilspezifikation (CAD-Datensatz, Materialdaten, Lagenaufbau) sollen die nötigen Prozesse, Prozesskosten und Kosteneinflüsse erst benannt und dann miteinander verglichen werden.

  1. Vorhandene Software-Tools zur Kostenevaluation zusammentragen

Ziel der Software-Sammlung ist, die bereits vorhandenen Werkzeuge zur Kostenevaluation auf ihre Eignung zur Unterstützung der AG-Ziele hin zu untersuchen. Die von den AG-Mitgliedern bislang zur Verfügung gestellten Informationen sind unzureichend, mit ihnen allein kann dieses Etappenziel nicht erreicht werden. Weitere Berechnungstools werden gesucht, was sich als problematisch erweisen könnte, wenn die entsprechende Software eventuell nur firmenintern zugänglich ist.

CFK-Top-down-Kostenschätzung greifbar?

Zurzeit verfolgt die AG mehrere Softwareansätze. Eine parameterbasierte Excel-Liste mit Ähnlichkeitsmerkmalen schwebt Dipl. Ing. Werner Haible von der Confimo GmbH, Augsburg, vor. Sie soll für neue CFK-Bauteile Kostenschätzung, Risiken und Eintrittswahrscheinlichkeiten durch einen Vergleich mit bereits kalkulierten Produkten ermöglichen. „Je mehr Prozesskostenparameter zur Verfügung stehen, desto fundierter werden die Ergebnisse“, erläutert Werner Haible diesen wissensbasierten Ansatz.

Ein weiterer Ansatz ist eine vorhandene Software der RWTH Aachen. Diese wird ebenfalls von der Arbeitsgruppe Kostenschätzung evaluiert. Und schließlich hat auch die ETH Zürich bereits eine Software entwickelt, die der Kostenschätzung dienen könnte. „Sie sehen also, die Arbeit wird unserer Gruppe auf absehbare Zeit nicht ausgehen“, schmunzelt Dr. Ostermann. Und die Mitglieder des CCeV haben berechtigte Aussichten auf eine belastbare Kostenschätzung für die Verwendung von CFK.

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